Kennst du schon dein inneres Team?

Wenn du aktuell ein Problem hast oder in einer Fragestellung nicht weiterkommst, dann kannst du beruhigt sein: Du sitzt mit dem Rest der Menschheit in einem Boot!

Es geht ja schon morgens los: „Was ziehe ich an?“ (Achtung, Klischee!) Nach der Arbeit stellt sich vielleicht die Frage, ob es wirklich so wichtig ist, noch laufen zu gehen. Und am Abend muss es dann doch noch ein zweites Glas Wein oder ein zweiter Schokoriegel sein – oder besser doch nicht?

Solche banalen Fragen beschäftigen uns alle – behaupte ich mal! Ich z.B. werde regelmäßig bei der täglichen Hauptmahlzeit schwach und genehmige mir dann einen nicht zu kleinen Nachschlag.

Fünf Teamplayer zum Thema Hauptmahlzeit

Dabei weiß ich genau, dass weniger eigentlich mehr wäre. Zumindest sagt das die „Vernünftige“ in mir. Die ist übrigens nicht allein mit dieser Meinung, denn die „Eitle“, die gerne schlank sein will, runzelt beim Anblick der zweiten Portion Lasagne ebenfalls besorgt die Stirn.

Leider sind da aber noch andere Instanzen in mir aktiv, die sich nur allzu gern durchsetzen:

Die „Genießerin“ kann einfach nicht widerstehen, wenn es schmeckt; die „Maßlose“ weiß nicht, wann es genug ist; und die „Sparsame“ will nichts verkommen lassen und verleibt sich die letzten Reste ein.

Während ich das schreibe, fällt mir auf, dass mich dieser allabendliche innere Konflikt nervt. Das ist wiederum die allerbeste Voraussetzung, um ihn zu lösen...

4, 6 oder 8 Player im inneren Team sind nicht ungewöhnlich

Vielleicht ist dir auch schon aufgefallen, dass oft mehrere „Teamplayer“ in dir am Werk sind. Das ist total normal. Wenn ich in der Praxis ein inneres Team mit einem Klienten erarbeite, tauchen gut und gerne 4, 6, 8 und manchmal sogar noch mehr innere Anteile auf.

Klasse ist, wenn du die Anteile in dir 1.) wahrnimmst und sie 2.) benennst. Das ist ganz einfach, und oft ergibt sich daraus bereits ein erster Schritt in Richtung Lösung und / oder Veränderung. Und zwar nicht nur bei so (scheinbar) simplen Dingen wie der Hauptmahlzeit, sondern auch bei grundlegenderen Problemen und Fragen.

Drei Beispiele aus meiner Praxis (die Namen habe ich natürlich geändert):

  1. Andrea will wissen: „Gebe ich meiner Ehe noch eine Chance?“
  2. Jürgen sagt: "Ich will mich mit meinem Vater versöhnen."
  3. Mathias' Ziel: "Ich will maximal 45 Stunden pro Woche arbeiten."

Nimm doch mal dein inneres Team unter die Lupe. So geht’s:

  • Als erstes formulierst du dazu dein aktuelles Problem, einen Wunsch oder eine Fragestellung (s. Beispiele).
  • Dann ermittelst du die „Teamplayer“:
    • Welches Teammitglied meldet sich als erstes / zweites / nächstes / letztes?
    • Wie äußert er / sie sich zu deiner Frage oder deinem Problem?
    • Welche Eigenschaft(en) hat er / sie? Kannst du daraus einen Namen ableiten (z.B. der Rationale; die Sensible; der Vorsichtige; ...)
    • Wie durchsetzungsstark ist er / sie im Team?

Was das bringt? – Also, wenn du dir bewusst bist, welche widerstreitenden Instanzen in dir wirken, kannst du Kontakt zu ihnen aufnehmen: sie bestärken, sie ausbremsen, ihnen die Führung zusprechen oder wegnehmen, ...

Ich zum Beispiel kann der Maßlosen sagen: „Du hältst dich heute Abend mal zurück und lässt die Genießerin in ihrem Tempo essen.“ Und der Genießerin in Aussicht stellen: „Du darfst dir heute Abend Zeit nehmen und in aller Ruhe den Auflauf genießen.“ Dann braucht es vielleicht keinen Nachschlag!

Wenn du mehr über dein inneres Team herausfinden willst oder mit deinem Lösungsansatz nicht zufrieden bist, dann gönne dir eine Sitzung in Gestalttherapie. Gemeinsam finden wir heraus, wie du dein Team neu aufstellen kannst – damit die „Teamplayer“ in deinem Sinne agieren!