"Männer sind wie Bäume!"

"Männer sind wie Bäume!“, stellte meine Freundin Susanne fest, als sie vor ein paar Jahren von einem Bonding-Seminar in Sinsheim zurückkehrte, Was für ein Vergleich! Darüber hatte ich noch nie nachgedacht.

Ich bin Männerversteherin. Ich fühle mich in der Gesellschaft von Männern wohl und habe mir lange Zeit gar keine Gedanken darüber gemacht, ob Männer anders sind als Frauen. Das schien mir irrelevant.

Aber natürlich ist es das nicht. Männer und Frauen sind grundverschieden. Zum Glück und leider. Zum Glück, weil das die Chance bietet, sich zu ergänzen. Und leider, weil der Weg dahin schwer sein kann. Beide brauchen JEDE MENGE Verständnis und Durchhaltewillen. Die beste und einzig wahre Basis dafür ist – na, was wohl?! - die Liebe.

Männer sind wie Bäume und Frauen wie Schilfgras

Kommen wir zurück zu dem Bild von dem Mann als Baum. Ich finde, es ist ein sehr schönes Bild: voller Respekt und Achtung vor der Erhabenheit, der Kraft und der Beständigkeit des Mannes. (Ich hoffe, ich klinge jetzt nicht zu pathetisch!) Einem Baum kann nichts so leicht etwas anhaben. Er steht da, kraftvoll und scheinbar unbeeindruckt den Stürmen trotzend. Er bietet Schutz, spendet Schatten und ist wohlmeinend und verlässlich - solange er im Gleichgewicht ist. In seiner Ruhe liegt seine Kraft.

Mich hat dieses Bild beschäftigt. Ich habe mich gefragt, wie denn Frauen sind, wenn Männer wie Bäume sind. Welche Pflanze kann die weibliche Natur symbolisieren?

Für mich ist es das Schilfgras. Es ist vollkommen anders als ein Baum und doch genauso stark. Es steht da, in enger Gemeinschaft und im Einklang mit seinesgleichen. Es reagiert sofort auf das, was um es herum geschieht. Sobald Wind aufkommt, fängt es an sich zu bewegen. Und selbst im Sturm bleibt es unbeschadet; denn es ist in der Lage, sich anzupassen, ohne sich aufzugeben. Es schwingt mit und bleibt sich treu.

Die Stärken und Schwächen der Geschlechter

Doch was, wenn der Sturm des Lebens so stark ist, dass der Mann ihm nicht länger standhalten kann? - Dann kann es ihn umhauen.

Oder wenn jemand eine Kerbe in die harte Schutzschicht schlägt? Dann wird etwas sichtbar, das mit dem landläufigen Bild vom „starken Mann“ nur schwer in Einklang zu bringen ist: die zarte männliche Seele. Die ist so weich, dass sie fast formlos, zerfließend erscheint. Und genau zu deren Schutz braucht der Mann seine harte Schicht. Mal ganz unwissenschaftlich gesprochen!

Von einer harten Schicht weiß die weibliche Natur nichts. Ihr Befinden ist mal so, mal so. Das akzeptiert sie ganz selbstverständlich - mit der ihr ureigenen Weisheit. Dass Tränen fließen, wenn sie traurig ist, und sie die ganze Welt umarmen will, wenn es ihr gut geht. So flexibel wie das Schilfgras passt sie sich den Gegebenheiten an. Dabei wirkt sie manchmal schwach und wenig autark. Sie braucht die Gesellschaft von Gleichgesinnten, um sich sicher zu fühlen und ihre Kraft zu spüren. Doch in ihrer Natur, in ihrem Kern ist eine innere Stärke, die sie vor dem Einknicken und Abbrechen schützt – wie ein Drahtseil. Selbst im stärksten Sturm.

So gelingt Partnerschaft

Die Gegensätzlichkeit von Mann und Frau ist also eigentlich eine andere Anordnung von Härte und Weichheit. Das ist genauso faszinierend wie fordernd für Männer und Frauen. Zu Beginn der Beziehung überwiegt die Faszination (klar). Später dann macht der Frau die Andersartigkeit des Mannes zu schaffen und umgekehrt. Das bringt viele an die Grenze ihrer Lösungskompetenz und -bereitschaft. Ständig und immer wieder. Eine lebenslange Lernaufgabe, die beide im Interesse der Liebe am besten ernst nehmen. Dann können sie voneinander lernen und über den Tellerrand ihrer eigenen Natur hinausblicken. Nur so funktioniert die Liebe: mit Achtung davor, dass der andere anders ist. Und mit der Bereitschaft, sich mit dieser Andersartigkeit auseinanderzusetzen.

Wenn das geschieht, kann der Mann von der Frau lernen sich zu öffnen, ohne dabei gleich zu zerfließen. Er begreift dann, dass er stark und weich ist. Erst dadurch kann und wird er seine ganze Kraft entfalten, autonom bleiben und sich ganz einlassen.

Und die Frau wird begreifen, dass sie die Flexibilität, die in ihr ist, nicht dem Mann abverlangen kann. Dafür kann sie von seinem Schutz und seiner Stärke profitieren und ist privilegiert, die Schönheit und Zartheit seiner Seele zu erleben - vorausgesetzt, sie ist bereit, ihn mit ihrer Liebe zu umschließen.