„Warum ist hier eigentlich keiner?“, fragte mein Sohn, als er im Sommer 2018 zum ersten Mal nach Värmland kam. „Eigentlich müssten hier ganz viele sein, so schön ist das hier!“ Und 2019 in derselben Gegend kam er dann zu dem Ergebnis: „Schweden ist das schönste Land der Welt.“

Das „echte“ Schweden, so die Schweden, beginnt nördlich von Göteborg. Ab da wird es spürbar nordisch, zu erkennen an den Farben des Himmels und der Natur. Außerdem wird es immer einsamer, immer seenreicher und immer schöner.

So schön ist es in Värmland!

Bis Värmland ist es gar nicht so weit, knapp vier Stunden von Göteborg aus, etwas mehr als 300 Kilometer (man darf ja in Schweden nicht so schnell fahren). Wenn man bequem mit der Stena Line (Kiel-Göteborg) anreist, hat man bei der Ankunft schon einen entspannten Urlaubstag mit Übernachtung hinter sich.

Ich habe Värmland als Kind kennen gelernt und jeden Sommer dort verbracht. Wir waren immer mit mehreren Familien dort und immer draußen, immer im Wasser oder im Wald - und total frei. Spät abends waren wir allein mit dem Ruderboot unterwegs, kein Problem, wir konnten ja schwimmen und es war hell. Dass wir hin und wieder zum Beerenpflücken verdonnert wurden, nahmen wir in Kauf.

Und heute ist es immer noch genauso schön. Sobald ich in Schweden bin, breitet sich Freude in mir aus, die mit jedem weiteren Kilometer gen Norden größer wird.

2019 haben wir dann endlich das perfekte Urlaubsdomizil gefunden, eine ehemalige Waldarbeiter-Siedlung, von den Gastgebern Anni und Uli zu Ferienwohnungen umfunktioniert. Das Geniale daran: Die Häuser befinden sich wirklich mitten in der Wildnis, der nächste Supermarkt liegt gut 20 Kilometer Schotterstraße entfernt. Der See und der Wald liegen dafür direkt vor uns. Und da es mehrere Wohneinheiten sind, die von Anni und Uli vermietet werden, ist Geselligkeit am Lagerfeuer ebenfalls garantiert.

Hast du schon einmal Blaubeeren oder Walderdbeeren gepflückt? Vor allem bei den Blaubeeren brauchst du Muße. Für mich ist es eine Form der Meditation, ich kann in diesem Tun förmlich versinken und alles um mich herum vergessen.

Schatzsuche: EIn ganzes Nest mit Pfifferlingen

Wald gibt es in Värmland „ohne Ende“, und glücklich ist der, der ein Auge für Pilzstellen hat. Als wir im letzten Jahr wanderten, brauchte es allerdings keinen scharfen Blick, denn tatsächlich standen einfach überall Pilze, vor allem Pfifferlinge, am Wegesrand. Unsere Ausbeute: 5 Kilo bei einer Wanderung! Und wenn man einmal die richtigen Stellen kennt, dann kennt man sie und kann immer wieder zum Ernten vorbeikommen. Und natürlich sind diese Stellen TOP SECRET und werden AUF GAR KEINEN FALL preisgegeben!

Angeln kann man auch, das ist nicht unbedingt meine liebste Freizeitbeschäftigung, aber bringt natürlich auch ganz viel Ruhe und Entschleunigung; vor allem, wenn kein Fisch anbeißt!

In Värmland ist es wunderbar unspektakulär, es ist total egal, wie du aussiehst, was du besitzt oder erreicht hast. Ich glaube, das habe ich als Kind schon gespürt, wenn meine Eltern auf einmal so herrlich entspannt waren. Und ich entspanne dort auch sofort. Für manche ist dieses Zurückgeworfensein auf sich selbst aber auch erst einmal gewöhnungsbedürftig. Aber wenn du wirklich Ruhe und Entspannung suchst, gibt es kein schöneres Ziel - Anti-Stress-Wirkung ist garantiert!

Kein Mensch zu sehen!

Es ist ein besonderes Land und zum Glück nicht jedermanns Sache. Nicht auszudenken, wenn die Ufer der 10.000 Seen mit Cafés und Restaurants zugebaut würden! Den Mücken und den mitunter (und bei weitem nicht immer!) kühlen Temperaturen sei Dank!