Was ist Gestalttherapie?

Freie Gestalttherapie gilt nicht als Psychotherapie - und hat doch eine nachhaltige Wirkung...

Ich biete keine Psychotherapie an. Psychotherapie in Deutschland meint in aller Regel entweder Verhaltens- oder tiefenpsychologische Gesprächstherapie. Sie wird hauptsächlich von entsprechend ausgebildeten Ärzten und psychologischen Psychotherapeuten angeboten und meistens von den Krankenkassen übernommen. Auch Heilpraktiker für Psychotherapie bieten Psychotherapie an, diese muss in der Regel vom Klienten selbst bezahlt werden.

Ich bin ebenfalls Therapeutin. Freie Therapeutin mit vielen Jahren Aus- und Weiterbildung und ohne Legitimation von Seiten des Gesundheitsamtes oder -systems. Streng genommen, bewege ich mich in einer Art "Grauzone", aus der heraus ich zwar Therapie und Coaching ganz allgemein sowie Naturtherapie, Gestalttherapie und systemische Therapie, aber keinesfalls Psychotherapie anbieten kann.

Konkret heißt das, ich arbeite mit „normal verrückten“ Menschen an ihren persönlichen Themen und habe immer die Ressourcen und das Potenzial im Fokus, nicht die Defizite. Und „normal verrückt“ heißt: genauso wie ich – nur anders.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle, wenn wir in Zeiten hoher emotionaler Belastung einen Facharzt aufsuchen, mit einer Diagnose die entsprechende Praxis verlassen: depressive Episode, soziale Phobie, dissoziative Störung usw.. Eine solche Etikettierung macht etwas mit dem Menschen, der sie erhält. Im schlimmsten Fall nimmt er sie als gegeben und nicht veränderbar an und verhindert somit seine Weiterentwicklung. „Ich habe eine schwere Depression, und die Ärzte haben mir gesagt, dass sie mich für immer begleiten wird“, sagte mir einmal eine junge Frau, damals gerade 25 Jahre alt. Was für eine verheerende Prognose, insbesondere dann, wenn sie ungeprüft als Tatsache anerkannt wird.

Das Gesundheitssystem aber muss Bezeichnungen finden, sodass Therapien genehmigt werden. Ohne Krankheitsbild fehlt die Grundlage. Und – ganz wichtig: Dem Gesundheitssystem geht es um die Heilung einer Krankheit, das Beseitigen einer Störung, nicht um persönliches Wachstum. Eine grundlegend andere Perspektive.

Wir haben alle in unserer Lebensgeschichte Verletzungen davongetragen, die ihre Spuren hinterlassen haben und die tiefer sitzen, als dass wir sie allein über den Kopf zu heilen vermöchten. Da braucht es den tiefen Kontakt zur eigenen Seele, zum Körper und somit zu dem, was wir nicht rational erfassen können, was aber für ein sinn-volles Leben unabdingbar ist.

„Der Verstand muss dem Herzen folgen – und nicht das Herz dem Verstand“, sagte eine Klientin einmal. Wie Recht sie damit hat. Und dann wird in unserer Welt und Gesellschaft doch das Hauptaugenmerk aufs Verstehen, die Ratio, den Kopf gelegt. Das Pferd lässt sich aber nicht von hinten aufzäumen, zumindest nicht nachhaltig. Denn nachhaltige Veränderung geht vom Herzen aus, und erst danach kommt der Kopf zum Einsatz.

Dieselbe Klientin, die ich gerade zitiert habe, sinnierte einmal über die Frage, ob das, was wir gemeinsam machen und erleben, Psychotherapie sei. Nein, das sei es ganz gewiss nicht, es sei vielmehr „tiefe Seelenarbeit“. So hätte ich selbst es nicht auf den Punkt bringen können, es wären nicht meine Worte gewesen. Und doch ist es genau das.

Ich bin immer wieder tief dankbar, wenn ich die Menschen, die sich vertrauensvoll an mich wenden, in ihrem Wachstum, ihrer positiven Veränderung, begleiten darf und sehe, wie sie sich entwickeln, wachsen und mit sich und ihrem Leben ins Reine kommen. Mit Unterstützung von Gestalttherapie und Natur und letztlich aus sich selbst heraus. Übrigens weiß ich aus eigener Erfahrung, wie das, was ich zu geben habe, wirkt. Ich war nämlich selbst auch einmal Klientin – und profitiere bis heute von dem ganzheitlichen Ansatz, den ich bei meiner damaligen Gestalttherapeutin Gertrud Paschmann kennen gelernt habe.